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| Porträt |
Mitten
in einem Bielefelder Vorstadtviertel kann man mit etwas Glück im Schaufenster
der Marktstrasse 18 Rena Tangens beobachten. An manchen Tagen stellt sich
die Medienkünstlerin dem Betrachter als Objekt der Neugierde dar.
Das sei kein Theater, versichert sie. Tatsächlich ist diese Performance
ein Teil des Konzepts der Galerie "Art D´ Ameublement", die Galerie
für den "neuen Bürger", eine der vielen künstlerischen Innovationen,
deren Geburtshelferin die Bielefelderin ist.
Namenspate
bei der Gründung der Galerie stand der französische Komponist
Erik Satie und dessen "Musique D´ Ameublement". Sein Klavierstück
"Vexations" dauert etwa eine Minute, soll aber auf Empfehlung Saties 840mal
wiederholt werden. "Diese Musik ist nicht zum ehrfürchtigen, passiven
Zuhören, sondern sie ist ein Bestandteil des Raumes, wie ein Möbelstück
oder die Raumtemperatur". In diesem Sinne will auch Tangens ihre Arbeit
verstanden wissen: Kunst, die Menschen nicht zum passiven Publikum macht,
sondern ihnen Raum mit einer anregenden Atmosphäre zur Verfügung
stellt.
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"Wir
waren unter anderem in Rechnern der Washington Post. Damals war das noch
nicht legal, heute wollen die ja, daß man sich bei ihnen einloggt",
erinnert sich Tangens. Den Kunstbegriff zu erweitern war nicht das explizite
Ziel dieser spektakulären Aktion. "Wir waren fasziniert von der Tatsache,
daß so viel potentielle Kommunikationsleitungen durch simple Computerarbeit
erstellt werden können." Tangens war sich sicher, daß die neuen
Technologien die Gesellschaft verändern würden und wollte dieses
Feld aus ihrer Sicht bestellen.
Den Durchbruch, sich Kunsträume zu eröffnen, brachte die Gründung des Vereins zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs (FoeBuD), das seine eigene "Bionic-Mailbox" mit mehr als 700 registrierten Systemen startete. Trotz Internet-Euphorie wächst das unabhängige Bürgernetz auch heute noch munter. In öffentlichen Foren diskutieren Hunderte von Menschen über alles, was ihnen am Herzen liegt. Tangens Visionen für eine lebenswerte Netzkultur werden langsam ernst genommen. Heute wird sie von Unternehmen und Behörden um Rat gefragt, ist willkommen auf Messen und Kongressen. Unter anderem berät sie den Bundestag in Sachen "Informationsgesellschaft". "Medien-Piazza" Überhaupt: Das Internet ist das genaue Gegenteil von Rena Tangens Utopie. "Das Gerede von den Datenautobahnen nervt mich, auf Autobahnen geht es immer nur vorwärts". Ihre Vorstellung von der Cyber-Zukunft ist menschenfreundlicher. Tangens träumt von einem globalen Dorfbrunnen, der Mittelpunkt eines öffentlichen Mediencafés ist, zu dem die Menschen kommen, um ihre Sorgen mitzuteilen, ihr Wissen auszutauschen sowie ihre Angelegenheiten zu verhandeln. Eine Art Mekka für Infobürger. Ausgestattet mit Computerarbeitsplätzen, virtuellen Zeitungen, ergonomischer Bestuhlung und Computerkunst am Rande. Sozusagen die Belebung einer verlorengegangenen Kommunikationsidylle: die "italienische Medien-Piazza".
Kameran Fatah |