Impulsvortrag für das 1. Treffen deutscher Internet-Cafés Leipzig

Samstag, 19. April 1997 (es gilt das gesprochene Wort)
 

      Vorstellung: Mein name ist padeluun. Ich lebe und arbeite zusammen mit meiner Lebensgefährtin Rena Tangens in Bielefeld. Und bin von Beruf Künstler. Nichtschaffender Künstler. Ich erschaffe keine Bilder oder Skulpturen, weil diese von der Kunst mittlerweile eher ablenken als darauf hinzuweisen. Ich baue Rahmen - damit alle Menschen in diesen Rahmen 'Inhalt' darstellen können. Auch Netze, vor allem der die Überlegungen, WIE Netze aufgebaut werden müssen, ist so ein Rahmen. Deshalb haben wir in Bielefeld ein Labormodell für ein Netzwerk von Mediencafés entwickelt, das über das Umsetzen von kurz gedachter Effektivität in eine einfache Handlungsanweisung hinausgeht. Wir haben dieses Modell und seine Fortentwicklung - viele von Ihnen wissen das - seit 1990 regelmäßig bei der Sonder-Veranstaltung CHANCEN 2000 auf der CeBIT in Hannover vorgestellt.

      Mein Hintergrund ist die Kunst. Ich widme mich den Treffpunkten in den Netzen mit Ernsthaftigkeit. Das ist für mich nicht einfach nur eine Marktlücke oder das nächste 'Ding', das gerade angesagt ist und ich werde morgen nicht irgendwas völlig anderes machen.

      Meine Erwartung an dieses Treffen, das die Leipziger Messe ermöglicht hat - und der ich dafür herzlich danke - ist, daß sich hier Qualifikation und Kompetenz treffen und ausbreiten. Und das zum 'Machen' führt - wohlgemerkt: In aller Achtsamkeit.

      Mein eigener Beitrag - er wird etwa 15 Minuten dauern - soll Ihnen und mir Impulse geben, das Denken und Konzipieren mit neuen Aspekten anzureichern. Ich sehe meine Aufgabe - zumindest noch - nicht darin, zu vereinfachen, sondern die Komplexität des Treffens der Menschen in und außerhalb der Netze zumindest ansatzweise aufzuzeigen.

Sie sitzen bequem in einem gepolsterten Drehstuhl. Vor Ihnen, in die elegante Rauchglasplatte eingearbeitet, befinden sich Farbmonitor, Tastatur und Mousepad. Die Euroscheck-Karte mit Bargeldchip steckt im Lesegerät. Jede Minute, die Sie hier sitzen, kostet Sie Geld. Jede angefangene Stunde, sagen wir, 20 DM. Sobald Sie die EC-Karte aus dem Schlitz ziehen, wird die Verbindung abgebrochen und an Ihrem Platz leuchtet ein grünes Licht auf. Ein Zeichen dafür, daß die oder der nächste, die bisher an der Bar stehend einen Milchcafé schlürfte, den freigewordenen Sitzplatz einnehmen und die eigene Bargeldkarte in das Lesegerät einführen darf.

Zehn solcher Arbeitsplätze stehen in einer Reihe oder im Kreis angeordnet. Diese 20 Quadratmeter bringen Ihnen - den Unternehmerinnen und Unternehmern - bei Vollauslastung 72.000 DM im Monat - das sind 3.600 DM pro Quadratmeter. 874.000 DM im Jahr. Die Kosten sind zu vernachlässigen. Wir sind ja sowieso den ganzen Tag da und studentische Arbeitskräfte sind so teuer nicht. Die 20 qm und die Standleitung kosten ja auch nicht allzuviel.

Nun. Dieses finanzielle Märchen heben wir uns besser für unsere Hausbank auf. Selber daran glauben sollten wir auf gar keinen Fall.

Die Realität sieht vielleicht doch etwas anders aus. Viele von Ihnen werden das sogar noch besser wissen, als ich selbst. Ich war bisher vorsichtig genug, zwar Kinder namens ´Mediencafé' zu planen, sie aber nicht in die Welt zu setzen, bevor ich ihnen eine Zukunft bieten kann. Anders als bei Kinderaufzucht und -Pflege - das ist schließlich etwas, was die die Menschheit schon seit ein paar hunderttausend Jahre mehr schlecht als recht beherrscht - wissen wir derzeit noch nicht einmal, wie eine Windel aussehen muß. Wir wissen auch nicht, daß das Kind nach dem Füttern (nach dem Was?) ein Bäuerchen machen sollte und wir wissen auch nicht, daß das Kind einmal eine Existenz benötigen wird.

Die Zahlen, die ich eben genannt habe, sind ein Traumspiel. Natürlich sind die Kosten weitaus höher.

Die Medienresonanz dagegen ist groß. Die meisten von Ihnen aber wissen, daß der Ansturm in den Internetcafés (von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen) eher mäßig ist - es gibt eine kleine Stammgemeinde - meist chatsüchtige - und einige verirrte 'mal gucken'-Leute - oft sind das dann die Volontäre oder Praktikanten der örtlichen Zeitung, die mal was schreiben sollen. Die fragen dann Löcher in Bäuche und wir bemühen uns freundlich, das Internet von seiner besten Seite zu zeigen - und sind stets aufs Neue erstaunt, wie wenig die Menschen und wir selber vom Netz der Netze wissen. Ich bin sicher: Auch hier und jetzt sitzen Menschen unter uns, die bei Fachbegriffen wie "Browser", "URL", "Netcall" oder "Link" mental die Flucht ergreifen.

Am Monatsersten sieht die Bilanz recht nüchtern aus: Wir fühlen uns als göttliche Innovatoren und müssen versuchen, dies unseren aufs Zahlungsziel pochenden Lieferanten immer wieder auf's Neue klar zu machen. Und trotzdem versuchen noch einen neuen Router auf Kredit von ihnen bekommen und zwei Megabit wären nun echt mal angesagt - wegen der fünf Kunden, die bei uns Webhosting-Dienste nutzen, die nörgeln, daß alles viel zu langsam geht und damit drohen, zu XY abzuwandern. Nebenbei gestalten wir unsere Webseiten völlig neu - ohne Java geht es ja schließlich nicht - und gründen noch schnell eine dritte Webconsulting-Firma, in der Hoffnung, daß wir damit dann alles andere - also das eigentliche, was wir machen wollen - endlich besser finanzieren können.

Die wenigen Unternehmer, denen ich derzeit eine Chance einräume, wenigstens ein bißchen Geld mit dem Internet einzunehmen, sind die Spielhallenbesitzer. Die kennen sich mit Bargeldschlitzen an Daddelautomaten aus und Kaffee kann ich bereits jetzt schon in fast jeder Spielothek kostenlos bekommen. Die haben bestehende Strukturen - und wissen sie zu nutzen.

Dann gibt es auch andere Sorten Internetcafé-Betreiber:

Sie sind Kneipiers, die sich zwei PCs auf einen Tisch gestellt haben und neben Pizza in miefieger Atmosphäre nun auch noch zwei zusätzliche Gäste am Tag mehr verbuchen können. Kein Problem, die Rechner sind schnell abgeschrieben - und für die eine oder andere Erwähnung in der Presse (zum Beispiel im Fachmagazin PIZZ@) wird's schon reichen. Und wenn die Tastatur mit Pizzabelag bekleckert ist, wird sie eben mit in den Geschirrspüler gestellt. Va bene...

Oder wir haben uns den Kultur- und Kommunikationsaspekt auf die Fahnen geschrieben und stellen fest, daß das auf der Fahne zwar als Markenzeichen äußerst gut aussieht - aber das Konzept der Umsetzung echt dünn ist: Das hatte die Bank damals auch gesagt - aber da wir einen Fuß auch im Kokainhandel haben (oder eine größere Erbschaft erwarten), stört das erstmal nicht besonders...

Oder wir sind eine Gewerkschaft oder Kirchengemeinde, die hoffen, mit dem hippen Internet nun endlich junge Menschen ansprechen und für ihre Sache gewinnen zu können. Oder Leute, die sonst irgendein Problem haben und mit dreimaligem Rückwärts-Aufsagen des Wortes Internet ihre Probleme magisch lösen wollen. "tenretni - tenretni - tenretni" - dreimal Richtung USA verneigen und - schwupp - weg sind die Arbeitslosen... Ich spreche hier von Menschen, die viel in den Medien davon gelesen haben und denken, daß sie ihr sonstiges Buisiness damit aufpeppen können.

Dann gibt es die vielen Netzfreaks, die ihr Hobby zum Beruf machen wollen. Getrieben von der Medienluftblase Internet - suchen sie nach Möglichkeiten, ihre Vorstellung vom eigenen Netzleben auf die Gesamtgesellschaft abzubilden. Sie sind nahezu zwangsläufig zum Scheitern verurteilt.

Erwähnen möchte ich noch die Gruppe der Idealisten, die eher schwärmerisch und unrealistisch an die Globale Kommunikation glauben. Sie gehen rein vom inhaltlichen Aspekt an die Sache heran, haben schon vor vielen Jahren Terminals mit MailBox-Anschluß in Jugendzentren gestellt. Es ist ihre Selbstverständlichkeit und ihre wirtschaftliche Blindheit, die ihnen im Weg steht, ihre im Ansatz guten Ideen und Taten auf die nächsthöhere Ebene zu bringen und sie breitenwirksam zu machen.
Noch vor kurzem konnte jeder Mensch oder jede Institution, die ein Internetcafé eröffnete, sich der von Andy Warhol zugestandenen 15 Minuten Berühmtheit erfreuen. Und er konnte dem Mythos - oder soll ich sagen: der Lüge - namens Internet dienlich sein.

Zweiter Teil.

Noch vor Jahren wäre ich ganz sicher gewesen: Alle Leute in diesem Raum wußten, daß die Netze tatsächlich die Bedeutung haben, die ihnen nach- oder besser vorher-gesagt werden. Jetzt habe ich wieder nicht "das Internet" gesagt - sondern "die Netze". Ob per UUCP, x.25 - x.400 oder IP - es ist lediglich die Erkenntnis, daß ich zwei oder mehr Geräte miteinander verbinden kann - unabhängig vom Standort - unabhängig vom Träger - die vor vielen Jahren dazu geführt hat, daß sich die Menschen - meist als Science Fiction Autoren verkleidet - Gedanken über die Neue Welt gemacht haben. Jetzt haben wir eine Möglichkeit in die Hand bekommen, mit der wir eine neue Zeit gestalten können. Das Netz selbst ist NICHT die neue Epoche - es ist der Ausklang der alten Epoche, des gerade vorübergehenden Kondratieff-Zyklus.

Kondratieff entdeckte, daß sich revolutionäre Innovationen in Zyklen von etwa 50 Jahren abspielen. Dampfmaschine, Eisenbahn und Schiffahrt, Elektrizität und Chemie, Auto nebst Erdöl und Elektronik waren die Applikationen, die die vergangenen vier dieser Zyklen prägten. Sie brachten ihre jeweiligen Netze mit, die erhebliche unternehmerische Investitionen erforderten. Das Eisenbahnnetz, das Elektrizitätsversorgungsnetz, das Autobahn- und Kommunikationsnetz. Die neue Nutzanwendung führt zur Befriedigung fundamentaler Bedürfnisse: Erleichterung der Arbeit, weltweite Ressourcenverfügbarkeit, lebenswerte Urbanität, Förderung von Individualität und Mobilität.

Am Anfang dieser Zyklen steht immer eine große Begeisterung. Später, wenn der Zyklus am Abklingen ist, werden nur noch Innovationen darin gemacht, das bereits Bekannte schneller, kleiner und billiger herzustellen. Viele denken, daß Computer und Vernetzung die kommende Sache sei. Falsch. Tatsächlich bewegen wir uns im Aufschwung eines neuen Zyklus - und gucken fixiert nur auf die alten Kommunikationsnetze und peppen sie ein bißchen auf. Dies # repräsentiert den gerade absteigenden Teil der Kurve, die erst im neuen Aufschwung etwas Neues bringen wird.

An uns ist es nun, zu überlegen, was der neue Zyklus ist, welche Bedürfnisse erfüllt werden sollen und was dazu an Einrichtungen und Technologie gebraucht wird.
Auch alle alten Sachen haben weiterhin ihre Bedeutung - wir nutzen auch weiterhin Eisenbahnen, Elektrizität... aber sie haben nicht mehr diese aufmerksamkeitsfordernde, bestimmende Bedeutung. Mit Blick auf das Alte wird das Internet nur zu einem großen Fernseh- und Konsummedium entwickelt. Eigentlich geht es um etwas anderes: Gestaltung der Mitwelt - dies ist eine Aufgabe, die von unseren Netztreffpunkten unterstützt werden wird.

Die Netze sollen unser Werkzeug dazu sein. Dieses Werkzeug müssen wir so gestalten, daß dieses Neue möglich ist. Bisher gehen wir mit den Methoden und Instrumenten der Vergangenheit an die Netze heran. So, als sei das Netz ein neues Produkt, das es billig einzukaufen und viel teurer zu verkaufen gilt. Dabei müssen für die Probleme von morgen auch die Methoden von Morgen verwendet werden. Mit den Mitteln der Vergangenheit ist eine lebenswerte Zukunft nicht zu erwarten. Probleme heute bieten die Chancen für morgen: Problemlösungsgeschäfte. Die Problemlösungsgesellschaft muß sich für den Fortschritt geistig ertüchtigen: Die Organisationen und Menschen müssen lebenslang lernen können. Wir müssen die mentalen Fähigkeiten der Menschen fördern - und dies nicht damit verwechseln, daß wir abfragbares Wissen auf Datenbanken bereitstellen. Das führt in der Konsequenz zu hoch qualifizierten aber inkompetenen Fachleuten: Im heutigen Bildungssystem wird uns das bereits vorgemacht.

Wir sollten das Wort Informationsgesellschaft aus unserem Wortschatz streichen. Information steht für Genauigkeit, Klarheit und Aktualität. Diese Begriffe sind für eine unternehmerische Entscheidung eine gute Voraussetzung. Aber (wenn wir nicht nur immer wieder altes rezipieren wollen) steht vor der Information der Diskurs - die Kommunikation. Nur wenn Menschen kommunizieren und interagieren, kann es ein Weiterkommen geben - wir benötigen also die Kommunikationsgesellschaft - in der die Information hin und wieder eine gewünschte Essenz sein kann. Eine Kommunikationsgesellschaft ist ein Netz der Menschen.

Die Mediencafés machen das Netz der Menschen sichtbar. Plötzlich sind nicht mehr farblose Farbterminals zusammengeschaltet, sondern wir können eine Vorstellung voneinander entwickeln, indem wir miteinander kommunizieren und darüber lernen. Kommunizieren werden die Menschen aber nicht, wenn die Umgebung nicht zum kommunizieren anregt. Sprich: Wenn mich jede Minute, die ich am Terminal sitze, teures Geld kostet, wenn die Sessel zu weit auseinanderstehen, wenn die Spache nicht die täglich gesprochene ist, wenn die Angst, etwas nicht zu wissen und sich eine Blöße zu geben, unüberwindbar groß ist, wenn mir keine Anregungen und Anstöße gegeben werden, wenn ich keine gesellschaftlichen Regeln kenne, wie ich mich zu verhalten habe und so weiter.

Wir müssen Orte schaffen die Globale Dorfbrunnen sind, um die sich Menschen im Zeitalter der Globalen Kommunikation versammeln. Weil sie hier den Austausch finden, der lebenswichtig ist. Wo sich Globalität und Lokalität ergänzen.

Von einem Netz, wo Menschen nur als Konsumenten existieren, gehen keine Impulse aus. Diese Impulse sind aber wichtig, damit Netze überhaupt unternehmerisch bestehen können. Unternehmerisch bestehen können sie nur, wenn sie von Menschen als Teil ihres Alltags verwendet werden. Wenn sie kompetent als Informations- und Kommunikationsmedium verwendet werden. Sprich: Wenn nicht Menschen, sondern nur Aufgabenträger, das Netz verwenden, kann Karstadt das virtuelle Kaufhaus vergessen - es bleibt ein kleines Bestelldatenrinnsal für Leute, die aus beruflichen Gründen sowieso einen online geschalteten Informations-Kanal haben.

Die Aufgaben für Treffpunkte im Netz müssen überhaupt erst noch gefunden werden. Es ist eben nicht mit dem eingangs erwähnten Internetterminal getan - im Gegenteil - das führt eher zum Scheitern, denn zum Funktionieren. Es schreckt mich keineswegs anzunehmen, daß ich ein Internetcafé fast ohne Computerausstattung eröffnen könnte. Die eigentlichen Aufgaben liegen ganz woanders. Wo genau - das herauszufinden ist eine Aufgabe, die Forschung und Entwicklung bedarf. Dies muß in einer Denkfabrik erarbeitet werden, (damit Sie aus meiner Vortragskommunikation endlich die Information extrahieren können, was denn nun eigentlich zu tun ist).

Wir müssen zwei Dinge gleichzeitig tun: Erstens schon einmal Treffpunkte im Netz aufbauen und ausprobieren und auf der anderen Seite genügend Geld bereitstellen, daß diese wichtige Forschung und Grundlagenarbeit geleistet werden kann. Der Verantwortung darf ich mich nicht dadurch entziehen, daß ich das an Universitäten und Marktforschungsinstitute delegiere. Statt dessen müssen kompetente Menschen aus der Praxis, die interdisziplinär arbeiten können und die so vielseitig sind, daß sie sowohl einen Milchcafé zubereiten, als auch dem Bundestag ein Gutachten vorlegen können, mit dem Erarbeiten einer zukunftsfähigen Konzeption betraut werden. Weil es auch den Unternehmen nutzt, müssen wir von den Unternehmen Beteiligung fordern. Finanzielle Beteiligung am allgemeinen gesellschaftlichen Netzaufbau. Von selbst passiert das nicht. Deshalb sind hier Kooperationen und behutsame staatliche Moderation gefragt.

Das Internet ist eine Projektionsfläche, auf der wir Teile der komplexen Struktur der menschlichen Kommunikationsgesellschaft abbilden und entwickeln können. Das, was WIR aus unserer Vorstellungskraft heraus auf das Netz projezieren, wird eintreten und erfolgreich sein. Dies ist eine Chance und ein mahnt zum achtsamen Umgang. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, das komplexe Myzel der Kommunikationsgesellschaft mit aller Macht zu vereinfachen oder kanalisieren. Das käme dem Versuch einer Abschaffung des Lebens gleich. Im Gegenteil - wir haben nur dann einen messbaren Erfolg, wenn wir die Komplexität anerkennen und und unser Werken und Wirken daraufhin ausrichten.

Um Ihnen eine abschließend eine Vorstellung der Komplexität zu geben, erinnere ich an die Chaosforschung. Sie alle kennen die 'Apfelmännchen'. Die wunderhübsche grafische Darstellung einer mathematischen Gleichung, der Mandelbrotmenge, die fraktale chaotische Strukturen abbildet. Und wir sehen, daß im Chaos eine großartige und unendliche Schönheit zu finden ist. Egal wie tief wir in das Chaos vordringen, wir sehen immer wieder andere Strukturen und finden auch immer wieder selbstähnliche, fraktale, Formen und Farben. Das ist sehr tröstlich. Es nimmt der Komplexität des Chaos den Schrecken. Wenn wir dieses Apfelmännchen als modernes Mandala der Kommunikationsgesellschaft sehen, erkennen wir, daß wir ganzheitliche Konzepte benötigen, daß wir mit Menschen arbeiten und jeder Mensch sein Geflecht aus sozialen Beziehungen mit allen anderen Menschen teilt und sich darüber mitteilt. Dafür müssen wir passende Rahmen bieten.

Schließen möchte ich mit einem umgewandelten Zitat von Martin Luther:

"Gerade, weil ich weiß, daß die Welt und die Menschheit auch morgen noch besteht, möchte ich heute schon ein Apfelmännchen pflanzen."