TELEARBEIT GROSS DENKEN
Telarbeitszentren: Hier werden Arbeitsplätze verschiedener Unternehmen gebündelt um die Schwierigkeiten, die das häusliche Arbeiten mit sich bringt, umschiffen zu können. Aber denken wir Telearbeitszentren doch einmal weiter: von Rena Tangens und padeluun Einfach und effektiv ließen sich natürlich ehemalige Legebatterien von Hühnerfarmen in Telearbeitszentren umbauen. Pro Käfig ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz. Käfiggitter in angenehmen Mint gestrichen und wenn wir pro Stockwerk eine Aspidistra[1] aufstellen könnten diese als Feigenblättchen Wirkung entfalten. Oder sollte es doch ein bißchen menschenwürdiger sein? Ganz energisch müssen wir uns stets bewußt sein, daß es nicht um mehr Profite für Einzelne und "sparen" geht, sondern um lebenswerte Alternativen in unserem Privat- und Arbeitsleben. Wenn Sie jetzt denken "Schön und gut, aber mich muß das Ergebnis des zweiten Quartals mehr interessieren...", dann sollten Sie sich vor Augen halten, daß Sie nach der großen Revolution zu denen gehören, die zusammen mit der Firma Sirius-Kybernetik-Corporation an die Wand gestellt und erschossen werden. Nicht lachen, das ist ein sehr ernsthaftes Zitat aus Douglas Addams "Per Anhalter durch die Galaxis". Und noch ernster: Um sich
noch etwas weiter weg vom (kurzfristigen) Shareholder-Value wegdenken und
nachhaltiger agieren zu können, sollten Sie sich auch die folgenden
Sätze in Ihr kleines schwarzes Notizbuch schreiben:
Sammeln Stellen wir ein Telearbeitszentrum in einem Dorf oder einem Stadtteil vor. Die Betriebsgesellschaft - die auch genossenschaftlich organisiert sein kann - hat Verträge mit verschiedenen Firmen und ist in der Lage, schnell auf spezielle Erfordernisse einzugehen. Somit können sich viele Unternehmen die Infrastruktur eines Hauses teilen. Damit fallen auch Kosten für erweiterte Angebote, die der Lebensqualitätserweiterung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern dienen, nicht so sehr ins Gewicht. Mütter und Väter mit Kindern können nur dann konzentriert arbeiten, wenn auch für die Kinder gesorgt ist. So ist sind Kindergarten mit brauchbaren Öffnungszeiten unerläßlich. Für die älteren Kinder muß die Möglichkeit bestehen, Hausaufgaben in Ruhe erledigen zu können. Ein weiterer Vorteil ist, daß hier sogar die Möglichkeit besteht, gemeinsam eine qualifizierte pädagogische Aufsicht zu finanzieren. Die qualifizierten Arbeitskräfte oder besser: Menschen für morgen?
Wir leben in glücklichen Zeiten, stellt Anja Meulenbelt (* Schriftstellerin und Protagonistin der holländischen Frauenbewegung) fest: Frauen sind nicht mehr auf eine Rolle festgelegt, sie können selbst entscheiden, wie sie leben wollen: 1) als Hausfrau und Mutter 2) als berufstätige Karrierefrau 3) berufstätige Mutter. 1) Hausfrau und Mutter: Sie macht eine unbefriedigende, größtenteils unsichtbare Arbeit (Hausarbeit sieht man erst, wenn sie nicht gemacht wird!), die wenig gesellschaftliche Anerkennung findet. Sie ist finanziell abhängig und hat statistisch gesehen große Chancen, an Depression zu erkranken. 2) Berufstätig, keine Kinder: Diese Frauen müssen sich ständig fragen lassen, ob ihnen nicht etwas fehlt, ob sie sich ohne Kinder so ganz als Frau fühlen. Um Karriere zu machen, müssen sie zumeist 60 Wochenstunden oder mehr arbeiten und - anders als Männer in ihrer Position - haben sie selten einen Partner zur Seite, der sie unterstützt, indem er ihnen z.B. die Hausarbeit abnimmt. Im Alter fragen sie sich vielleicht auch selbst, wofür sie eigentlich gearbeitet haben - Burnout Syndrom. 3) Der Versuch, Berufstätigkeit und Kinder zu vereinen: Während Männer, die arbeiten gehen, dies auch in ihrem Bewußtsein für ihre Familie tun, haben Frauen immer das Gefühl, daß die Zeit, während der sie sich der Arbeit widmen, ihrer Familie verlorengeht (und umgekehrt) - sie haben immer ein schlechtes Gewissen. Sie haben Angst, keiner Aufgabe wirklich voll zu genügen und überfordern sich deshalb ständig. Und in allen drei Situationen wird uns stets vorgehalten werden: "Du hast es dir doch selbst so ausgesucht!" -- ergänze: "Du wolltest doch Kinder", "Du willst doch berufstätig sein." "Du dachtest doch, daß du schon beides geregelt bekommst." So wird die Wahl unseres Lebensentwurfes schnell zur Wahl, welche Probleme wir in Zukunft haben werden: eine unbefriedigende, wenig geachtete Arbeit, ein Leben für die Arbeit ohne Familie oder ständige Überforderung bei dem Versuch, beides zu vereinen. Was hat nun Telearbeit damit zu tun? Telearbeit macht uns glauben, daß die dritte Entscheidungsmöglichkeit, nämlich Beruf und Mutterschaft miteinander zu vereinen, auf diese Weise endlich ideal zu realisieren sei. Theoretisch könnten nun mehr Männer daheim arbeiten und damit auch ihren Teil der Hausarbeit und Kinderbetreuung übernehmen. Tatsächlich wird die Folge wohl eher sein, daß sich noch weniger Männer für Hausarbeit und Kindererziehung zuständig fühlen, wenn ihre Frau diese doch prima während ihres Telearbeits-Jobs 'nebenbei' zu Hause erledigen kann. Ein ehemaliger leitender Ingenieur einer traditionsreichen Nähmaschinenfabrik berichtete uns kürzlich, wie er ins Grübeln über sein Lebenswerk gekommen sei: Die neuen Industrienähmaschinen sind schneller, können mehrere Dutzend Programme und Spezialstiche und machen vieles vollautomatisch. Die Ingenieure als Entwickler dachten, sie würden den Näherinnen die Arbeit erleichtern; tatsächlich aber glaube er mittlerweile, daß die Frauen durch die neuen Arbeitsmittel mental erheblich mehr belastet würden. "Früher konnten sie bei der Arbeit die Gedanken schweifen lassen, sich mit Kolleginnen unterhalten; nun müssen sie ständig mehrere Sachen gleichzeitig im Auge behalten: Zahlen auf einem LCDisplay, ob ein grünes Lämpchen leuchtet und so weiter..." Henry David Thoreau merkte schon im letzten Jahrhundert an, daß Menschen dazu neigen, sich zu Werkzeugen ihrer Werkzeuge zu machen... (Rena Tangens) Körper und Geist Rückzugmöglichkeiten zum Meditieren und/oder Beten - warum sollten auch diese nicht integriert sein? Und nicht auch öffentlich erreichbar sein? In manchen Gegenden wird es auch die Kirche nebenan tun. Vielleicht werden auch die kirchlichen Angebote in diesem Bereich zeitgemäßer? Das gleiche gilt für Schwimmbad, Sauna, Fitnessraum und Bildungszentrum ("Jogging für's Gehirn"). Besprechungsräume sind oft zu klein, zu miefig und dem kreativen Denken (das die zukünftige Gesellschaft mehr und mehr brauchen wird) meist abträglich. Hier ließen sich die von Dr. Helmut Volkmann entwickelten und von der Siemens AG schon vertriebenen Denkräume[4] (namens: Xenia) installieren. Kleine Telearbeitszentren können diese Räume natürlich in größeren Städten mitbenutzen. Mobile Gesellschaft Die mobile Gesellschaft, ausgestattet mit Laptop, Funkmodem und GPS braucht feste Räume. Hier können reisende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stunden- oder tageweise Arbeitsplätze bekommen und die sonstige Infrastruktur mitnutzen. Eine Liste der Hotels am Ort oder in der Nähe liegt beim Empfang bereit, bzw. können Hotels in größeren Zentren direkt integriert sein. Unerläßlich zu erwähnen, daß es eine gute Nahverkehrsanbindung geben muß. Eine Bushaltestelle, die gut bedient wird, kann hunderte von Parkplätze - und damit Belastung der Mitwelt und und dem eigenen mentalen Empfinden (Autofahren ist hochgradige Konzentrationsarbeit!) entgegenwirken. Auch hier gilt, daß eine Buslinie im Takt bedient werden muß; wenigstens alle 15 Minuten bis maximal halbe Stunde in den Abendstunden muß eine attraktive Verbindung mit eingepaßten Anschlüssen geboten werden. Alle Firmen weisen neben ihrer Post- und eMail-Anschrift auf Ihren Briefbögen und Visitenkarten auf die Bus- resp. Straßenbahnlinie hin. Ähnlich den Semestertickets an manchen Universitäten können hier für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kontingente der ÖPNV-Unternehmen gekauft werden, die das Betreiben der Strecke(n) attraktiv machen können. Schon allein der Betrieb von Rechner- und Netzwerkstrukturen bedarf einer ordnenden Hand. Papier und Overheadfolien müssen vorhanden sein, der Kopierer muß immer funktionsbereit sein. Im Haus angestellte Wissensnavigatoren stellen Wissen bereit, das ansonsten mühsam zusammengesucht werden müßte. Und beim Empfang weiß jemand wirklich genau, wer im Hause erreichbar ist - auch wenn jemand nur tage- oder stundenweise einen Arbeitsplatz gemietet hat. Die Betriebsgesellschaft So ein Haus benötigt natürlich ein oder mehrere Teams, das es betreibt, sich um das Gießen der Blumen kümmert, verstopfte Toiletten repariert und zum schonungsvollen Umgang mit der Einrichtung mahnt. Es kümmert sich um wirklich gutes Essen, besetzt den Infothresen, beauftragt Künsterinnen und Künstler im Haus mitzuarbeiten, lädt zu Vorträgen ein (lebenslanges Lernen in einer Bildungsgesellschaft) und schlichtet hier und dort auch mal aufkommendes Mobbing. Es kümmert sich um die Netzwerk- und Computeraustattung und bildet sich selbst auf entsprechenden Kongressen weiter, damit es mit dem Fortschritt Schritt halten kann und neue Erkenntnisse auch direkt wieder zum Nutzen der Arbeitsgemeinschaft einbringen kann. Auch wenn so eine Betriebsgesellschaft aus mehreren eigenständigen Firmen zusammengesetzt ist, bedarf es einer übergeordneten Stelle, die 'alles ein bißchen im Blick hat', sich um die Datenvertraulichkeit sorgt und das Konzept sowohl nach außen als auch nach innen vertreten kann. Noch etwas größer denken Wenn wir uns die Mühe machen, diese Ideen mit dem strengen Blick der Kalkulation zu betrachten, stellen fest, daß wir mit sparsameren Haushalten (bedingt durch gemeinsame Nutzung von Resourcen) nicht nur kostengünstigere Arbeitsplätze schaffen, sondern auch attraktivere. Eingebunden in ein Gesamtkonzept haben wir unter dem Strich noch einen zusätzlichen Gewinn für die Gesellschaft: Vernetzte Kommunikations- und Lebensstrukturen. Die hier aufgeführten Gedanken über erweiterte Telearbeitszentren entsprechen den Visionen, die die Autoren dieses Beitrags unter dem Projekttitel "Mediencafé" schon vor etlichen Jahren an die Öffentlichkeit getragen haben. Um diese Visionen umsetzen zu können, bedarf es eines 'Thinktanks', einer Forschungseinrichtung, in der Konzepte erstellt und ausprobiert werden können. Eine Ebene, wo Ideen aus vielfältigen Zusammenhängen zusammengetragen, analysiert und neu aufbereitet werde, so daß abschreibefertige Konzepte entstehen können. Hier müssen Praktiker aus allen möglichen Fachgebieten zusammenkommen können. Architekten genauso, wie Unternehmer, Menschen, die bereits Telehäuser betreiben, Juristinnen als auch Ökothrophologen, Softwareentwickler, Bischöfe und Datenbroker, Pädagoginnen und Philosophinnen, Künstler und Nahverkehrsexperten. Hier müssen wir uns Gedanken über kleine Telearbeitszentren machen, die in ländlichen Gegenden anzusiedeln sind, wie auch kleine Telearbeitsdörfer und Telearbeitsstadtteile. Die Gedanken müssen gleichzeitig energisch und achtsam bedacht werden. Es müssen vielfältige Kooperationen mit Gewerkschaften, Unternehmerverbänden, Industrie- und Handelskammern, Bibliotheksverbänden, Städtetag und kommunalen Organisationen eingegangen werden, die alle von diesen Konzepten zehren werden und gleichzeitg auch Bestandteile zum Ganzen hinzufügen. Es muß daran gedacht
sein, daß das Vorhandensein des Arbeitsparadieses nicht Innovation
und Unternehmertum hemmen darf. Monopolisierungen in und am Rande diesen
Zentren ist ein wirksamer Riegel vorzuschieben, dennoch ist eine enge Vernetzung
der Zentren untereinander anzustreben. Intelligent ausgearbeite Workflow-
und EdiFact-Systeme, die eben nicht nur von Programmierern erdacht werden,
können helfen, dem papierarmen Büro endlich doch einmal ein Schrittchen
näher zu kommen. Unternehmen können qualifizierte Vorgaben gestellt
werden und sind nicht nur darauf angewiesen, ins allzu Ungewisse hinein
zu entwickeln und können dennoch auch immer eigene Ideen und Vorschläge
Die erste Aufgabe ist es,
solch ein freies Forschungszentren außerhalb der Schlagworte "Multimedia",
"Telearbeit" oder "Informationsgesellschaft" zu finanzieren. Die Vorgabe
ist: Denken und Handeln für das leben und arbeiten in einer lebenswerten
Gesellschaft. Und die Erkenntnisse der Forschungen müssen frei verfügbar
und frei kopierbar sein.
[1] Zimmerpflanzen am Arbeitsplatz und im Büro haben es ungleich schwerer, als ihre Artgenossen in der Wohnung. Meist sind die das Pflanzenleben beeinträchtigenden Lebensbedingungen wie trockene Luft, Staub, zu hohe und zu niedrige Temperaturen, oder Lichtmangel noch viel ungünstiger. Welche Pflanzen sind aber nun geeignet, um den Widrigkeiten des Arbeitsplatzes mit Klimawechsel, Hitze oder Zugluft zu trotzen. Große Fenster (z.B. in Werkhallen) lassen sich wirkungsvoll mit Kletterpflanzen begrünen. Besonders geeignet sind hierfür die Rautenblätterige Klimme (Cissus rhombifolia), Tradeskantien, der Känguruhwein (Cissus Antarctica), die Wachsblume (Hoya carnosa) oder der hängende Baumfreund (Philodendron scandens). Auch auf Blüten, muß man am Arbeitsplatz nicht verzichten. Besonders bescheiden sind die Clivie und die Zimmerlinde die alljährlich hübsche Blüten bekommen. Weiterhin gibt es etliche Blütenpflanzen die Abwechslung an den Arbeitsplatz bringen. An Beständigkeit zeichnen sich aus: Das Fleißige Lieschen (Impatiens), die Becherprimel (Primula obconica), das Sicheldickblatt (Crassula falcata), der Zimmerhafer (Billbergia nutans), der Christusdorn (Euphorbia milii) und das immer wieder blühende Usambaraveilchen (Saintpaulia ionantha). Selbst in lichtungüstigsten Ecken gedeihen noch die Schusterpalme (Aspidistra), die Grünlilie (Chlorophytum), die Königsbegonie (Begonia-Rex-Hybriden), die Dattelpalme (Phoenix canariensis), die Zwergpalme (Chamaerops humilis) und die Hanfpalme (Trachycarpus). Auch die Efeuaralie (Fatshedera), die Zimmertanne und das Fensterblatt (Monstera) wachsen noch bei ungünstigen Bedingungen. Viel Sonne dagegen brauchen Zypergras, Elefantenohr (Haemanthus albiflos), Zimmerhopfen, Zimmerhafer, Buntnessel, Pelargonie, Sansevierie) und die Schar der Kakteen und Sukkulenten. Im Büro nicht fehlen dürfen dagegen, so dekorative Pflanzen wie die Birkenfeige (Ficus), der Drachenbaum (Dracaena), die Strahlenaralie (Schefflera), die Palmlilie (Yucca) und die anspruchslose Efeutute (Scindapsus). (Gefunden unter: www.wi-inf.uni-essen.de/~schwarze/pflanzen/Arbeitsplatz.html) [2] Etzioni 1994, S. 368 [3] Etzioni 1994, S. 375 [4] Die erste größere Kundin war im Jahr 1997 unseres Wissens die Landtagsfraktion der bayerischen SPD
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